NACHGEFRAGT BEI … ANABEL HENGELMANN

20.12.2016

Ganz nach dem Motto «Rückblick, Ausblick, Durchblick» stelle ich zum Jahresende gerne einige Fragen an Anabel Hengelmann, unsere Unternehmensleiterin:

Der Bau des Gotthard-Basistunnels zählt zu den Meilensteinen von Vigier Rail, und die Eröffnung war das Highlight im 2016. Was verbindet Sie persönlich mit dem Gotthard-Basistunnel? Wie war das für Ihr Team und Sie?

Es hat uns alle mit Stolz erfüllt, beim grössten Eisenbahnprojekt der Welt und in der Geschichte von Vigier Rail dabei zu sein. Zu sehen und mitzuerleben, was am Gotthard verwirklicht wurde, ist wirklich toll. Wir erhalten begeisterte Reaktionen aus der ganzen Welt. Das freut uns sehr. Die Reaktionen beziehen sich nicht nur auf das Zeit- und Kostenmanagement, sondern auch auf die ingenieurtechnischen Leistungen.

Für mich persönlich ist das Projekt Gotthard-Basistunnel zudem gleichbedeutend mit meinem Start bei Vigier Rail (damals noch Tribeton), meinem Start in der Schweiz, im Herbst 2005.

Mit welchen grösseren Projekten hat sich Vigier Rail weiter beschäftigt?

Nach der Zulassung der Flachschwelle durch das Eisenbahn-Bundesamt konnten wir uns 2016 als Lieferant bei der Deutschen Bahn qualifizieren.

Ein weiteres Highlight sind die Lieferungen des LVT-Systems nach Kopenhagen. Ein besonderer Moment war definitiv auch, als die ersten Überseecontainer mit LVT-HA-Stützpunkten beladen wurden, die nun auf dem Weg von Müntschemier nach Hongkong sind.

Auch intern haben wir einige Projekte realisiert, auf die mein Team und ich stolz sind, wie zum Beispiel die Umstellung der Weichenschwellenproduktion in einen SAP-geführten Prozess. Weitaus am meisten hat uns jedoch sicher das Projekt «Arealentwicklung» beschäftigt.

Sie sprechen es an: das Jahr 2016 hat innerhalb der Firma grössere Veränderungen gebracht. Wie haben Sie den Umbau des Areals erlebt?

Wir haben im 2016 massiv in unsere Logistik investiert. Heute verfügen wir über ein automatisches Logistiksystem, das Schwellen selbständig ein- und auslagert, inklusive einer Koppelung an unser SAP. Damit haben wir erstmalig Daten in Echtzeit über unsere Lagerbestände. Dank diesem Logistikkonzept und den neuen Gleisanlagen haben wir nicht nur mehr Kapazität gewonnen, sondern sind auch flexibler geworden. Die ganze Umstellung war wirklich eine Meisterleistung von allen Beteiligten – herzlichen Dank an dieser Stelle an alle! – vergleichbar mit einer OP am offenen Herzen.

Vigier Rail und die Schwesterfirma Sonneville haben an der weltweit grössten Messe für Verkehrstechnik teilgenommen, an der InnoTrans in Berlin. Sind Sie zufrieden mit der Messe?

Ja sehr. Auf die InnoTrans freuen wir uns immer besonders. Sie bietet die Möglichkeit, innert kurzer Zeit fast alle unsere Partner, Kunden und Lieferanten zu treffen. Wir waren bereits das fünfte Mal an der Messe und beobachten dort die neuesten Entwicklungen in der Branche.

Vigier Rail hat pünktlich zur Messe ihren Produkteordner digitalisiert und eine App lanciert. Vigier Rail geht APP – wie wurde das aufgenommen?

Ja genau, die diesjährige InnoTrans stand für uns nicht nur im Zeichen des Gotthards, sondern war auch der Startschuss in unsere Digitalisierung. Unsere Kunden sind ebenso zufrieden wie wir. Die App wird sich hoffentlich weiterentwickeln; sie ist nicht nur eine Katalog-App, sondern bietet sich auch als Plattform an, um besondere Projekte darzustellen. Wir freuen uns auf einen intensiven Austausch mit unseren Kunden und hoffen, dass sie uns und andere Bahnen daran teilhaben lassen, was sie Tolles verwirklicht haben.

Was sind die grössten Herausforderungen im 2017? Oder anders gefragt, mit welchen Themen werden Sie sich als Unternehmensleiterin im neuen Jahr am meisten beschäftigen?

Bei der Digitalisierung sind wir erst am Anfang. 2017 wird uns diese weiter beschäftigen. Für das Projekt Ceneri-Basistunnel rüsten wir unsere LVT-Blöcke mit RFID-Chips aus. Das ermöglicht uns, die geforderte Rückverfolgbarkeit der verwendeten Materialien elektronisch zu erfassen und zu sichern. Dafür müssen allerdings einige Prozesse angepasst werden.

Das Projekt «Arealentwicklung» läuft auch 2017 weiter. Wir bauen eine neue Zementpumpstation, um auch zukünftig wieder per Bahn mit Zement versorgt werden zu können.

Dann beschäftigt uns aber auch die für 2017 geplante Umstellung auf einen CO2-reduzierten Zement. Diese ist für uns hoch erfreulich, weil sie ganz im Sinne einer für uns wichtigen enkeltauglichen Philosophie ist.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die Weihnachtszeit denken?

Ich mag diese Zeit sehr, vor allem, wenn sich eine weisse Schneedecke über alles legt ... als wäre die Welt in Watte gepackt und würde sich etwas langsamer drehen ... spannend finde ich auch jedes Jahr, wie sich alles auf den 24. Dezember und das bevorstehende Jahresende hin beschleunigt, als gäbe es kein Danach. Ich schätze aber auch die ersten Tage im neuen Jahr mit ihrem speziellen Zauber, der in allem Neuen liegt.

 

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Das Interview führte Sandra Wenger.

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