SBB, Rhomberg und Vigier Rail setzen auf intelligente Bahnstrecken

Die neuen LVT-Stützpunkte im Oelbergtunnel auf der Gotthardachse enthalten RFID-Chips. Diese sind zukünftig Bindeglied zwischen physischer Infrastruktur und Cloud.

 

Oelbergtunnel nach dem Umbau

Bei der Oberbauerneuerung im Oelbergtunnel auf dem seeseitigen Axengleis setzen die Projektpartner auf die Digitalisierung. Jeder der über 6'000 Stützpunkte des Typs «Low Vibration Track (LVT)» enthält einen einbetonierten RFID-Chip. Dies schafft eine Voraussetzung zur exakten Identifizierung und Verortung jedes einzelnen Schienenstützpunktes. In Kombination mit einer Datenbank gibt das die Möglichkeit, über den gesamten Lebenszyklus eine Vielzahl von Daten zuzuweisen. Ein weiteres Potenzial ist die Identifikation der Chips durch Mess- und Unterhaltsfahrzeuge und die Verbesserung deren Positionierungsgenauigkeit. Damit ist der Chip der Link zwischen der physischen Infrastruktur sowie Produktions-, Mess- und Betreiberdaten. Bei Abweichungen kann rasch und schwellengenau reagiert werden – ohne mühsames Nachmessen vor Ort.

Die Digitalisierung ist die vielleicht wegweisendste Entwicklung unserer Zeit. Auch vor dem System Bahn, dessen Infrastruktur sich seit seiner “Pionierzeit” im 19. Jahrhundert nicht fundamental verändert hat, bietet die Digitalisierung Chancen, die aktiv angegangen werden. So rechnet die Bahnbranche damit, mit dem Programm SmartRail 4.0 bis zu 30 % mehr Züge auf der bestehenden Infrastruktur verkehren zu lassen [1]. Auch für den Unterhalt will die SBB die Digitalisierung nutzen – beispielsweise mit dem Software-Tool swissTAMP, das den Zustand der Fahrbahn aufgrund diverser Faktoren, wie der Belastung, errechnet und so eine faktenbasiertere Planung des Substanzerhaltes ermöglicht [2]. In der Februar-Ausgabe des EI befasste sich ein Artikel mit der Praxistauglichkeit solcher Anwendungen [3]. Zwischen den sogenannten „Big Data“ und der physischen Bahninfrastruktur besteht heute allerdings noch eine Lücke. Die beste Software kann Unterhaltsarbeiten, wie Stopfen, Schleifen oder Bauteilwechsel, nur so gut empfehlen, wie es die Datenqualität zulässt. Diese ist im Wesentlichen vom Niveau der Zustandserfassung abhängig – und bestimmt damit, wie akkurat sich das Verhalten eines Streckenabschnitts prognostizieren lässt. Wie viele historische Daten, wie beispielsweise die Liegedauer, Wartungen usw. von Anlagenteilen, sind hinterlegt? Und wie präzise lassen sich diese Anlagenteile vor Ort dauerhaft automatisiert auffinden?

LVT-Stützpunkt mit integriertem RFID-Chip
Durch scannen des QR-Codes erfahren Sie mehr.

© 2010 2019 Vigier Rail AG